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euward Verleihung - Michael Golz mit dem 1. Preis des euward7 ausgezeichnet

Reise in parallele Welten

euward-Ausstellung im Buchheim Museum am Starnberger See bis zum 9. September

(22. Juli 2018)


München / Bernried – Zum siebten Mal hat die Augustinum Stiftung am Samstag, 21. Juli, den euward verliehen, den Europäischen Kunstpreis für Malerei und Grafik im Kontext geistiger Behinderung. Bis zum 9. September 2018 zeigt die euward-Ausstellung im Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See rund 130 Werke der drei Preisträger und des Trägers eines Sonderpreises sowie aller übrigen für den euward7 nominierten Künstlerinnen und Künstler.


Joachim Gengenbach, Vorstand der Augustinum Stiftung, übergab die Preise an Michael Golz (Mülheim an der Ruhr, Deutschland), Ota Prouza (Brtníky, Tschechische Republik), Clemens Wild (Bern, Schweiz) und Tim ter Wal (Almere, Niederlande). „Kunst ans Licht zu holen, diesem Ziel hat sicher der euward verschrieben. Wir versuchen von Mal zu Mal, neue Wege zu finden, damit sich die Nische erweitert, in der sich diese Kunst und die Künstler bewegen“, sagte Gengenbach während der Preisverleihung. „Ich danke allen Künstlerinnen und Künstlern, die uns alle anregen, verzaubern, inspirieren und unser Leben bunter und reicher machen.“


Daniel J. Schreiber, Mitglied der euward-Jury und Direktor des Buchheim Museum, führte aus, warum gerade das für seine Expressionismus-Sammlung bekannte Museum ein idealer Ort für den euward sei: „Jede Kunst, die über reine Abbildung hinausgeht, ist expressionistisch. Das gilt ganz besonders für die Kunst des euward.“ euward-Schirmherr Edgar Selge betonte seine innere Verbundenheit mit den Künstlern: „In der heutigen Gesellschaft steht die Frage der Zugehörigkeit im Raum. Das einzige Mittel, um sich zugehörig zu fühlen, ist anderen zu vermitteln, dass sie dazugehören. Das geht in Richtung Inklusion und sogar darüber hinaus.“ Und euward-Kurator Klaus Mecherlein sagte bei seinen Laudationes auf die Preisträger: „Alle Künstler dieser Ausstellung haben etwas gemeinsam: Sie fordern eine radikale Offenheit der Sinne.“


Unendliche Welt – 1. Preis: Michael Golz


Michael Golz (Jahrgang 1957) lebt in Mülheim an der Ruhr. Nach einem Schulaufenthalt in der Schwäbischen Alb, wo er seine Liebe zur Natur entdeckte, kehrte er in die Heimat zurück. Zugleich begann er 1974 mit seinen Kartenprojekten, der mit der Hand gezeichneten „Athos Landkarte“. Es zeigt sich heute nicht nur mit seinen monumentalen Ausmaßen als ein echtes Lebenskunstwerk, sondern auch in einer erstaunlichen ästhetischen und systematischen Konstanz. Eine zirka einhundertdreißig Quadratmeter große, auf Papier gezeichnete und gemalte Landkarte bildet den Kern. Sie besteht aus einzelnen Kartenstücken, die mit Klebeband miteinander verbunden wurden. Ihre kartografische Zeichnung ist von einer erstaunlichen Detailliertheit und Realistik. Zugleich aber vermittelt sie durchaus auch einen emotionalen, malerischen Wert. Die Karte wird ergänzt durch Handzeichnungen, die sich je auf einzelne Orte in der Karte beziehen. Schließlich ist die Athos-Welt schriftlich festgehalten.


Choreographiertes Chaos – 2. Preis: Ota Prouza


Ota Prouza (Jahrgang 1959) lebt seit mehr als 50 Jahren in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung im Dörfchen Brtníky im nördlichen Böhmen. Über seine Herkunft oder Biographie ist kaum etwas bekannt. Prouza erschafft eine eigenständige, unverwechselbare Sprache und Motivwelt: Obwohl er immer in einer ländlichen Umgebung lebte, war er stets fasziniert vom Verkehr, Straßen und Gebäuden der Großstädte. Er zeichnet auf Papierbögen, die er zu meterlangen Streifen roh zusammengeklebt hat. Meist mit dicken Bleistiften und Farbstiften gezeichnet, gibt er uns die grobe Darstellung einer Welt aus einer Art Vogelperspektive.


Starke Frauen – 3. Preis: Clemens Wild


Clemens Wild (Jahrgang 1964) begann mit elf Jahren, Frauenfiguren zu zeichnen, später Comics. Seit 2012 ist der Schweizer Mitglied des Ateliers ROHLING, eines Künstlerkollektivs von behinderten und nichtbehinderten Kunstschaffenden im PROGR in Bern. In Bild und Text dokumentiert Clemens Wild den Alltag im Heim und erzählt vom Schicksal einfacher Menschen am Rande der Gesellschaft. Oft mit erhobenem Zeigefinger deuten seine Figuren – wie auch er selbst gerne – auf die Strategien von Ausgrenzung und Diskriminierung hin. So bringen Wilds Zeichnungen jene auf eine Bühne, die im Schatten leben, wie etwa Putzfrauen.


Sonderpreis der Jury: Tim ter Wal


Tim ter Wal (Jahrgang 1982) wurde schon als Kind mit Autismus diagnostiziert. Heute sieht er darin einen großen Vorteil, da er ein außergewöhnliches visuelles Gedächtnis hat. Ter Wal beginnt seine Bilder immer in der unteren linken Ecke seiner A3-großen Papiere. Von hier arbeitet er sich nach rechts oben vor, ohne Plan, Vorlage, Schablonen oder andere Hilfsmittel. Häufige Motive sind die riesigen Industrieanlagen, wie die DSM Chemiewerke in Heerlen, die er als Kind erlebte. Selbst aus einem zeitlichen Abstand von über zwei Jahrzehnten zeichnet er jede ihrer noch so kleinen Einzelheiten.


Der euward


Der euward, seit dem Jahr 2000 und dieses Jahr bereits zum 7. Mal verliehen, ist international die wichtigste Auszeichnung für Kunst im Kontext geistiger Behinderung. Sein Ziel ist es, unbekannte Künstler zu fördern und ihr Schaffen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Preisträger werden mit Geldpreisen und durch die Publikation eines Kataloges im Gesamtwert von 19.000 Euro gefördert. Schirmherr des euward7 ist der Schauspieler Edgar Selge, gefördert wird der Kunstpreis in diesem Jahr von der Edith-Haberland-Wagner Stiftung und der Aktion Mensch e.V. Detaillierte Infos zum euward im Internet unter www.euward.de.


Druckfähige Fotos (Porträts und Werke der drei Preisträger) finden Sie zum Herunterladen
unter www.euward.de im Bereich Presse / Pressebilder.


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