Cécile Franceus
Cécile Franceus, geboren 1962 in Roosdaal, Belgien, wohnt und arbeitet in Zonnelied, einer Einrichtung für geistig behinderte Erwachsene. Bis 1995 hatte Franceus grosses Interesse für das Weben gezeigt, dann aber beschlossen, sich auf das Zeichnen zu verlegen. Sie macht Zeichnungen, über die Schnipsel aus anderen Arbeiten zu einer Collage geklebt werden. Ihre Arbeiten bestehen aus vielen Linien und Schleifen; kaum ein Flächenausschnitt bleibt dabei unbedeckt.
Werk:
Ohne Titel, 1998, Kugelschreiber, Collage
Ohne Titel, 2000, Kugelschreiber, Collage
Für Cecile Franceus ist der kreative Prozess wichtiger als das Ergebnis. Die Getriebenheit und das Engagement bei der Realisierung ihrer Arbeiten ist groß, reicht bis zum Zwanghaften. Schreiben und Kratzen treibt sie so weit, dass sie dabei mitunter ihr Blatt durchstösst. Lose Teile werden abgerissen, manchmal auch wieder angeklebt, ein neues Blatt wird daruntergeschoben, bis ihrem Erleben nichts mehr hinzuzufügen ist. Auf diese Weise tastet sie sich an die Grenzen der materiellen Aspekte ihres Werkes heran. Wenn ein Kugelschreiber nicht mehr schreibt, benutzt sie ihn zum Kratzen. Sie spielt mit dem Widerstand und der Verletztbarkeit der Materie und des Materials, dessen sie sich bedient. Aufbauen, Zerreissen, Kleben, um hinterher Wiederherzustellen und zu Erneuern.
Dieser Prozess ist der Arbeit Franceus' eigentümlich und er schreitet nun seit einigen Jahren progressiv voran. Wenn eine Arbeit erst einmal beendet ist, lässt das Ergebnis sie relativ kalt und sie möchte nur möglichst schnell mit einer neuen Arbeit beginnen. Momente der Leere hält sie nicht aus. Sie verursachen bei ihr ein Gefühl der Unruhe und Unsicherheit. So läßt sich feststellen, dass ihre Arbeiten als transitionelle Objekte fungieren. Die Zeichnung als Objekt ist "nicht Ziel an sich, sondern ein Mittel, ein Medium - nicht nur, um sich anderen mitzuteilen, sondern vor allem, um sich ihr selbst mitzuteilen und sich auf diese Weise eine persönliche Existenz zu schaffen". |
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